FOTOGRAFIKEN - Begriff und Entwicklung im Überblick
Kunstwerke im Crossover zwischen Fotografie, Malerei, Grafik und Collage

woman in red , Fotografik 2004, 105/70 cm, Aufl. 12, AluDibond/Plexi
Fotografiken von 1987 bis heute- eine Zeitreise aus der analogen in die digitale Welt
GEOMETRIE DER RUHE - eine Dreierserie aus dem Jahr 1987, steht für den Beginn meiner Crossoverwerke im Spagat zwischen klassischer Fotografie und experimenteller, grenzüberschreitender Fotokunst .
Für mich war es damals - der klassischen Hochglanzfotografie zunehmend müde geworden - die Entdeckung eines neuen Mediums jenseits herkömmlicher Fotografie und der Anfang meiner fotokünstlerischen Laufbahn mit dem Ziel im Alter von 37 Jahren mit teils sehr exotischen, eigenentwickelten Techniken die Fotografie als Medium genreübergreifend quasi neu zu erfinden. Meine ersten Fotografiken, wie ich diese neuen Arbeiten nannte, entstanden kurz nach einer sehr inspirierenden Nepalreise, innerhalb der ich u.a. eine längere Treckingtour durch die Annapurna - Region unternahm und viel fotografierte ( Diapositive), u.a. auch diverse Motive von tibetischen Gebetsfahnen. Aus diesen und Hochhausdiapositiven von einer ebenfalls im damaligen Zeitraum unternommenen New York Reise habe ich jeweils Teile herausgeschnitten und zu kleinen Collagen im winzigen Kleinbildformat verbunden und anschliessend abfotografiert. Hieraus entstand dann in Form hochwertiger Fotoabzüge im Grossformat von jeweils 105/70 cm die nachstehend abgebildete Dreierserie . Der Titel Geometrie der Ruhe bezieht sich auf die damals erlebte spirituelle Strahlkraft, Inspiration und Stille inmitten unfassbar schöner Gebirgslandschaften und im Rahmen besonderer Begegnungen mit Mönchen in kleinen Bergklöstern, die der Anlass zur Gestaltung dieser experimentellen Arbeiten auf neuen Wegen jenseits klassischer Fotografie waren.
Diese und weitere Crossoverwerke - Fotografiken - von New York waren dann Grundlage und Gegenstand meiner ersten und erfolgreichen Kunstausstellung in der bekannten Galerie Elwert in Baden-Baden im Jahr 1988 - alles noch im Zeitalter der analogen Fotografie lange vor Beginn der digitalen Welt.



Geometrie der Ruhe I-III, 1987, jeweils 105/70 cm, Fotoprint gerahmt oder als Leinwanddruck
Die damals von mir verwendeten Techniken manueller Bildbearbeitung waren sehr vielfältige Eigenkreationen, die ich stets nur als untergeordnete Mittel zur Erreichung einer eigenständigen Bildkreation verstanden habe. Ein besonders schräger Weg war das Anritzen, Erhitzen oder kurzes Anbrennen von Diapositiven, die dann mit den hierdurch entstandenen Brandspuren als grossformatige prints eine sehr eigenständige, oft wilde Bildaussage hatten. Als Beispiele hiervon einige meiner New York- Werke aus den späten 1980er Jahren, die auch Gegenstand der Ausstellung in der Galerie Elwert waren..



Brooklyn Bridge Vision I, Fotografik 1987
Fotoprint 105/70 cm
Brooklyn Bridge III, Diapositiv 1987 Fotoprint 105/70 cm
Brooklyn Bridge Vision II, Fotografik 1987 Fotoprint 105/70 cm
Im Laufe der Folgejahre verfeinerte und erweiterte ich meine analogen Arbeitstechniken, indem ich u.a. Diamaterial nachträglich bemalte und partiell mit Deckweiss bearbeitete, was auf den erheblich vergrösserten Abzügen eine spannende malerische Haptik mit feinen Rasterstrukturen ermöglichte. Mit dieser Arbeitstechnik entstand Ende 1995/Anfang 1996 meine unter dem Eindruck der Verhüllungsaktion von Christo gestaltete Reichstagsbaustellenserie. Das besondere Flair dieser Grossbaustelle, die mich damals im regnerischen November 1995 sofort in ihren Bann zog, beruhte auf ihrem Chaos, der ständigen Veränderung im laufenden Betrieb der Baufahrzeuge, der Bewegung der Kräne und der wechselnden Geräuschkulisse inmitten einer riesigen , sandigen Brachfläche - immer wieder unterbrochen von herumliegenden Restbeständen wie Paletten, bunten Metallresten, abgebrochenen Rohren, zerstörten Auspuffen und vielem mehr. Und ganz im Hintergrund - sozusagen auf der Bühne dieses absurden Theaters - trohnte erhaben und unerschütterlich die alte Fassade des Reichstages und zart, fast filigran über seinem Dach die neue Kuppel. Keine Inszenierung hätte besser sein können , um die wechselvolle deutsche Geschichte dieses Gebäudes zwischen Diktatur und demokratischen Aufbruch so anschaulich zu zeigen wie diese.
Zur Veranschaulichung ein Bild aus meiner damaligen Serie, die später Gegenstand mehrere Ausstellungen in Galerien und öffentlichen Gebäuden, u.a. dem Landgericht Baden-Baden war.

Reichstagsbaustelle II , Fotografik 1995, Fotoprint 105/70 cm
Nach 1995 erstellte ich meine Crossoverwerke verstärkt über zuvor gefertigte, eigene Bild-und Materialcollagen. Diese wurden als Tabletops zumeist bei natürlichem Licht abfotografiert. Die hieraus gefertigten fotoprints im Grossformat entwickeln durch ihre besondere Form, Räumlichkeit und Haptik einen ganz eigenen Charme und eine sehr individuelle Note. Auf diesem Weg war es auch möglich, gutes eigenes Fotomaterial in ganz anderem Kontext wirksam einzusetzen und weiterführende Bildbotschaften oder andere Stimmungssituationen zu kreieren. So entstanden viele, für mich wegweisende Fotografiken aus ganz unterschiedlichen Genre bis in die jüngste Zeit. Denn auch im Zeitalter digitaler Bildbearbeitung ist die Collage als Durchgangsstadium ein wichtiges Arbeitsinstrument geblieben, das die Glätte rein digitaler Bearbeitung mit guter Wirkung zu brechen vermag. Auch heute inmitten der digitalen Welt beschränke ich mich deshalb bei der Gestaltungmeiner Fotografiken nur in seltenen Fällen allein auf digitale Werkzeuge, um meine eigenständige künstlerische Handschrift zu behalten. Es folgen Bildbeispiele zwischen 1995 und heute:

Schweizer Kreuz I , Fotografik 2006, 120/80 cm, Aufl. 9 , Acryl/fineart
Diesem Werk liegt eine eigene Materialcollage aus Styropor, Papier, Draht und weisser Farbe auf rot gestrichenem kleinen Holzbrett von ca.45/30 cm Grösse zugrunde, die mit besonderer Lichtführung fotografiert wurde. Im viel grösseren Format und fotografisch neuer Haptik und Leuchtkraft entwickelt diese Arbeit eine völlig andere Aussagekraft als die Ausgangscollage. Eine durchaus nicht unkritische, hintergründige und mehrdeutige Arbeit vom Symbol der Schweizer Nation war geschaffen.

Dialog, Fotografik 2010, 120/80 cm, Aufl. 9, AluDibond/fineart

Remember, Fotografik 2009, 80/80 cm oder 100/100 cm , Aufl. 9, AluDibond/fineart matt oder gl.

Detroit I, Fotografik 2016, Aufl. 9, 120/80 cm, Acryl/fineart


Detroit II, Fotografik 2016, 80/80 cm, Aufl. 9, AluDibond/fineart broken times, Fotografik 2023, 80/80 cm, Aufl. 9, AluDibond

stranger than paradise II, Fotografik 2006, 105/70 cm, Aufl. 9, AluDibond/Plexi

on the road, Fotografik 2008, 105/70 cm ,Aufl. 9, AluDibond/Plexi


Beirut, Fotografik 2017, 120/80 cm, Aufl.9, Acryl/fineart

stranger than paradise V, Fotografik 2008, 105/70 cm, Aufl. 9, Acryl/fineart

move on III, Fotografik 2023, 120/60 cm, Aufl. 9, AluDibond/fineart gl

Lockdown III, Fotografik 2020, 120/40 cm, Aufl. 9, AluDibond/fineart gl.