HOTSPOTS IN DER SANDALGARVE
Die Sandalgarve umfasst die östlich zwischen Faro und der spanischen Grenze liegenden, vorgelagerten sandigen Inseln und die dahinter entlang der Küste verlaufenden Flachwasserlagunen. Sie sind durch Überflutungen nach der letzten Eiszeit und späteren Sedimentablagerungen entstanden, die über lange Zeiträume durch Meeresströmungen von der Steilküste der Westalgarve hierher verfrachtet wurden. Insbesondere der hier befindliche Naturpark der Ria Formosa mit Inseln wie Culatra und Farol lassen ihre faszinierende Entstehungsgeschichte von Erosion und Ablagerung sichtbar werden. Ein Erdbeben und Tsunami von 1755 formten die Ria Formosa in ihrem heutigen Erscheinungsbild und Küstenverlauf. Es gibt eine Vielfalt lohnender Ziele und Touren in der Sandalgarve , die mit Zug oder Auto, besser noch mit dem Rad oder zu Fuss erreicht und erkundet werden können. Ich beschränke mich hier im Rahmen einer sehr subjektiven Auswahl auf vier jeweils spektakuläre, aber auch ganz unterschiedliche Ziele: die Küste und Lagune bei Cacelha Velha und Fabrica, das Fischerdorf Fuseta, den Fischerort Olhao und die dem Flughafen Faro vorgelagerte, über einen Damm erreichbare Ilha de Faro:
Cacela Velha ist ein malerisches, kleines Dorf an der Ostalgarve unweit von Tavira. Es ist zwar längst kein Geheimtipp mehr, aber ausser an Wochenenden noch immer eine idyllische Oase in unfassbar schöner Lage direkt oberhalb des wohl schönsten Küstenstreifens der Sandalgarve. Von knapp 100 m Höhe hat man hier einen schier unendlich weiten Blick auf die verzweigte Dünenlandschaft des Naturparks Ria Formosa - ein spektakuläres Ensemble aus Wattenmeer, vorgelagerten Inseln und dem offenen Atlantik. Besonders bei Sonnenuntergang modelliert das flache Licht zauberhafte Formen und Farben in Wellen, Flachwasser und dessen Untiefen - ein Eldorado für Landschaftsfotografen. Bei Ebbe lässt sich die nahe vorgelagerte Sandinsel der Praia da Fabrica zu Fuss quer über die Lagune bequem erreichen. Bei Flut kann man sich vom nur wenige 100 m entfernten Fabrica aus auch per Fischerboot zum Strand bringen lassen. Ein Highlight ist bei Ebbe die kleine Wanderung von Cacelha Velha hinunter zum Strand und dann entlang der Lagune nach Fabrica mitten durch die eigene Welt des Wattenmeers, in dem jetzt viele kleine Boote im Sand scheinbar festgefroren verharren bis die nächste Flut sie wieder freigibt. Hier eröffnet sich für aufmerksame Betrachter ein eigener Mikrokosmos im maritimen Umfeld.
DER FISCHERORT FUZETA
Fuzeta - ein kleiner Fischerort zwischen Faro und Tavira liegt prachtvoll an einem schmalen Fluss, der hier in die Lagune Ria Formosa mündet. Entlang des Flusses und in der Flachwasserlagune schaukeln unzählige bunte Fischerboote im Spiel der Wellen Fast immer herrscht hier eine lebendige Atmosphäre: der Fang des Tages wird an Land gebracht und häufig direkt am Kai verkauft oder an wartende Händler übergeben. Vor den nahen Fischerhütten werden Netze repariert und am Wasser tauchen Kormorane nach kleinen Fischen. Eine idyllische Atmosphäre, die an vergangene Zeiten erinnert und nichts mit unserer heutigen digitalen Welt und deren ständige Hektik gemein hat. Auf der anderen Seite der weiten Lagune und als Schutzbarriere zum freien Ozean befindet sich die vorgelagerte Insel Ilha da Armona. Bei Ebbe kann man hinüberlaufen, bei Flut mit dem Taxiboot in wenigen Minuten übersetzen. Lage und das besondere Licht der Lagune erzeugen eine fast karibische, sehr entspannte Atmosphäre, zu der die Musik von Manu Chao perfekt passen würde - weit weg von der Wehmütigkeit des Fado.
OLHAO - Gesamtkunstwerk zwischen Verfall und Aufbruch
die Stadt mit 15000 Einwohnern am Eingang des Naturparks Ria Formosa beherbergt die grösste Fischereiflotte der Algarve und in spektakulärer Lage an der Flaniermeile am Kai der Lagune die grossen, roten Markthallen , das Herz von Olhao. Das tägliche Angebot von frischem Fisch, Gemüse, Käse, lokalen Spezialitäten und Kunsthandwerk ist äusserst vielfältig. Vor den Markthallen befinden sich mehrere Strassencafes und Restaurants, von denen man einen prächtigen Blick auf die Lagune und die vorgelagerten Inseln Ilha da Armona und Ilha da Culatra hat. Die zahlreichen bunten Boote, die hier ständig in allen Richtungen unterwegs sind, legen Zeugnis ab von der besonderen Vielfalt und Lebendigkeit dieses Ortes.
Das entscheidende Alleinstellungsmerkmal der Stadt ist allerdings ihre ganz besondere Architektur: mit ihren nach maurischem Vorbild in Kubusform errichteten Häusern hat sie in der Region ein Alleinstellungsmerkmal von besonderer Güte. Arabisch inspirierte Dachterassen - Acoteias - sind Kernmerkmale der würfelförmigen, in den engen und verwinkelten Gassen zusammengedrängten Häusern - Kubismus in Reinkultur. Viele dieser Häuser befanden sich noch vor wenigen Jahren im Zustand zunehmenden Verfalls, werden aber mehr und mehr aufwendig restauriert und - immer teurer - zumeist an reiche Ausländer verkauft. Fluch und Segen zugleich : denn die Kehrseite dieser städtebaulich positiven Entwicklung ist eine starke Zunahme der Immobilien - und Mietpreise, die für die meisten Portugiesen, die in der Vergangenheit hier lebten, in Anbetracht ihres geringen Lohnniveaus nicht mehr zu bezahlen waren und sind. Die Folge: die heimische Bevölkerung muss wie in den Metropolen Lissabon und Porto weichen und in preiswertere, unattraktive Regionen umziehen. Eine Entwicklung , die grosse Unzufriedenheit zur Folge hat und auch in Portugal rechten und rechtsradikalen Parteien wie Chega grossen Zulauf beschert. Statt öffentlich geförderte Wohnungsbauprojekte zu entwickeln, die die Wohnungsnot der portugiesischen Unter-und Mittelschicht lindern könnten, wird aber weiter auf ständig neue privat finanzierte Luxusprojekte für wohlhabende Ausländer gesetzt, ohne die hieraus entstehende , gefährliche Spaltungstendenz in der Gesellschaft endlich Ernst zu nehmen. Zunehmende Korruption erleichtert diese Entwicklung.
Auch ein städtebaulich gelungenes Projekt wie der neue Yachthafen Porto der Recreio de Olhao , der seit 2022 unweit westlich der Markthallen im Lagunenbereich in wunderschön offen gestalteter Umgebung mit neuen Cafes, Bars und Restaurants auf 2 Ebenen viel Esprit ausstrahlt und Anziehungskraft entwickelt, hat eine kritische Komponente: das fast zeitgleich auf der gegenüberliegenden Strassenseite von privaten Investoren geschaffene Luxusbauprojekt DEL MAR WATERFRONT LIVING mit 126 Appartements. Ästhetisch zwar durchaus ansprechend und mit dem Segelhafen korrespondierend muss dennoch die Frage erlaubt sein, warum die dortigen Grundstücksflächen nicht zur Schaffung dringend erforderlicher moderner Wohnblocks im Rahmen öffentlicher Bauplanung für den portugiesischen Mittelstand in bezahlbarer Grössenordnung genutzt wurden. Nur so und nicht durch Ausgrenzung kann auf Dauer die Authentizität und das Flair einer urbanen und lebendigen portugiesischen Stadtkultur aufrechterhalten werden.
Eine Perspektive, die dieser quirligen und wunderschönen Stadt , die uns immer wieder in ihren Bann zieht, zu gönnen wäre.
Die Bilderschlaufe beginnt mit Szenenfotos der Lagune, aufgenommen vom Kai in Höhe der Markthallen. Es folgen Aufnahmen von der Altstadt und deren faszinierenden Bausubstanz im sehr unterschiedlichen Erhaltungszustand und danach Impressionen vom neuen Yachthafen und dessen Lagunenumgebung. Den Abschluss bilden einige Schnappschüsse von der nur unweit entfernten Salinenlandschaft in sehr rauhem , heruntergekommenen und armen Umfeld - kaum 300 m entfernt vom Luxusghetto DEL MAR WATERFRONT LIVING.
ILHA DE FARO
Nur unweit des Flughafens von Faro befindet sich ein Damm, auf dem man zu Fuss, per Rad, Auto oder Bus bequem über die Lagune zur vorgelagerten Fischerinsel Ilha de Faro gelangen kann. Ein insbesondere am Nachmittag sehr lohnender Halbtagesausflug , um nach wunderschöner Lagunen- und Wattwanderung auch noch den hier sehr spektakulären Sonnenuntergang mit Blick auf die unendliche Weite des Ozeans geniessen zu können. Empfehlenswert ist es, sich nach Überquerung des Dammes nach links in östlicher Richtung zu bewegen, da nach Verlassen der mit bunten Fischerhäusern bebauten Zone endlos lange Spaziergänge durch die faszinierende Watt- und Sanddünenlandschaft in unberührter Natur möglich sind, bevor man das Ende der Insel erreicht. Wir kehren immer wieder gerne auf die Insel zurück , da sie ihre besondere Magie stets aufs neue und in anderen Nuancen von Licht und Schatten der Sand- und Wasserspuren entfaltet. Einige Bilder als Anregung und zur Einstimmung.
ZAUBER DER FELSALGARVE
Als Felsalgarve oder auch Barlavento wird der südwestlich liegende Küstenstreifen zwischen Albufeira und dem ca. 80 km entfernten Sagres bezeichnet. Die Küste wird hier im gravierenden Unterschied zur Sandalgarve von bis zu ca.50 m hohen Klippen aus Sand-und Kalkstein geprägt. Direkt vorgelagert befinden sich immer wieder längere, feinsandige Strandabschnitte oder Buchten und viele Grotten in der vielfältig vom ständigen Wellengang zerfurchten und zerklüfteten Felslandschaft. Je weiter man nach Westen gelangt desto stärker wird der regelmässig vom Atlantik kommende Wind, die Meeresbrandung und die häufig sehr starke Unterströmung. Eine faszinierende Welt in ständiger Bewegung im Zusammenspiel von Wind und Wellen und damit natürlich auch ein wahres Paradies für Surfer, die über die Wellen reiten oder auch Wanderer, die das ständige, durchaus anstrengende Auf und Ab in der ganz eigenen Welt der Felsen - und Klippenlandschaft zu schätzen wissen. Die Schönheit und Vielfalt der hier zu entdeckenden Strände, Küstenwege, Blickoasen und anderer Kleinode sowie der Lebens- und Sozialkultur ihrer Bewohner kann nur rudimentär beschrieben werden und soll das eigene Aufspüren und Entdecken nicht ersetzen. Eine kleine Auswahl mit ganz unterschiedlichen Inhalten und Schwerpunkten: Praia da Falesia, Praia do Castelejo, Praia da Rocha, Fischerhütten von Ferragudo, Austernzucht und Aquakulturen in den Lagunen von Lagos..
PRAIA DA FALESIA - einen spektakuläreren Beginn der Felsalgarve kann man sich kaum vordstellen: nur wenige km östlich von Albufeira präsentiert sich dieser ca. 7 km lange Strandabschnitt vor einer spektakulären Felsenkulisse insbesondere im Nachmittagslicht in einer fast unwirklich erscheinenden Farbsinfonie zwischen weiiss, ocker , braun und tiefen Rottönen der ca. 50 m hohen Klippen und den unterschiedlichen Blau- und Türkisfärbungen von Meer und Himmel. Die von tiefen Furchen durchzogenen Sandsteinschichten der bizarren Felslandschaft türmen sich zu vielfältigen Naturskulpturen, die im wechselnden Licht- und Schattenspiel ständig neue Ausdrucksformen annehmen. Auf den Klippenkämmen sorgen die dort wachsenden Pinien für grüne Kontrapunkte und schattenspendende Oasen der Ruhe. Von hier oben kann man den Blick endlos über die Küste und das weite Meer schweifen lassen. Tipp: Kurz vor dem Küstenort Olhos de Agua in östlicher Richtung abbiegen und ca. 3 km bis zur Beschilderung Praia da Falesia fahren. Dieser folgend erreicht man nach ca.300 m den westlichen Beginn des Strandes , wo man auf Höhe des Felsenkammes ausser an Wochenenden oder in der Hauptsaison in der Regel freie Parkplätze findet. Von dort aus über die nahe Treppenanlage zum Strand absteigen und dort in östlicher Richtung wandern. Die Sicht auf die links aufsteigenden, sich in Form und Farbe dauernd verändernden Klippen und das rechts befindliche Meer ist einzigartig. Man hat zum ersten mal nach gut einem km oder erst nach etwa 2,5 km jeweils Gelegenheit über Holztreppenanlagen auf die Klippenhöhe aufzusteigen und dort den nicht minder spektakulären Rückweg über die freien Klippenkuppen und teilweise durch Pinienwälder anzutreten. Die Vielfalt der Blickwinkel , die sich von hier oben über Land und Meer eröffnen, sind ebenso spektakulär wie unten am Strand, wenn auch wegen des Perspektivwechsels vom Tal auf die Höhe völlig anders. Die beste Zeit für diese 1-2 Stunden dauernde Wanderung ist der Nachmittag, um idealerweise bei der Rückkehr am Parkplatz von den dortigen Klippenhöhen den phantastischen Sonnenuntergang geniessen zu können, der die Felsen in blutrot erstrahlen lässt. Die nachfolgenden Bilder wurden zu unterschiedlichen Jahreszeiten gemacht, da sich auch in deren Wechsel starke Farb- und Stimmungsveränderungen der dortigen Felslandschaft ergeben.
PRAIA DO CASTELEJO - ein krasser Gegenentwurf zur Praia Falesia: Statt eines Farbenrausches in Rot- und Brauntönen dominiert hier eine bizarre Felslandschaft, die an die Oberfläche des Mondes erinnert und bis ins brausende Meer hinein mit schmalen Riffs die hellen Sandstrandflächen immer wieder unterbricht: grau bis schwarzes Schiefergestein , das insbesondere im flachen Nachmittagslicht geradezu magisch ausgeleuchtet wird. Die hier fast immer aufgewühlte See erzeugt im Spiel mit den Wolken ständig wechselnde Wellenfarben zwischen blau, grün und grau: Dur- Töne im perfekten Einklang mit der Moll-Kulisse der dunklen Schieferfelslandschaft. Das Allegro furioso: zwei aus dem Meer aufsteigende, vorgelagerte Felspyramiden. Die kleinere ragt nur bei Ebbe ganz aus dem Wasser, die grosse dominiert als bizarre und mächtige Statue die Szenerie, die durch die Silhouetten von häufig dort befindlichen Anglern fast gespenstisch vervollständigt wird. Dieses von der Natur geschaffene einzigartige Gesamtkunstwerk gehört zweifelsfrei zu den schönsten Stränden Portugals und ist auch ein hotspot der internationalen Surferszene (nicht für Anfänger geeignet !). Der Strand ist nur wenige km von Vila do Bispo entfernt und von der Ortsmitte aus über eine asphaltierte, wenn auch enge Strasse gut zu erreichen. In der Nähe befindet sich die ebenfalls schöne und für längere Strandwanderungen lohnende Praia Cordoama. Zwischen diesen beiden Highlights der südwestlichen Algarve an der Grenze zum Alentejo liegt ca.160 m über dem wilden Meer der Torre de Aspa, ein traumhaftes Aussichtsplateau mit phantastischem Blick auf beide Strände ( ausgeschildert und ebenfalls mit Pkw, Rad oder zu Fuss gut erreichbar).
PRAIA DO CASTELEJO - Januarimpressionen 2026
TORRE DE ASPA - Paragliding vor bizarrer Kulisse zwischen Himmel und Meer - Januar 2026
Dieses Aussichtsplateau bietet nicht nur umfassende Panoramablicke auf die abwechslungsreiche Küstenlandschaft des südwestlichen Alentejo sondern ist auch ein beliebter Startplatz für Paraglidingfans aus vielen Ländern. Ein kleines Mekka dieser spektakulären Sportart, weil hier die Aufwindverhältnisse entlang der bis 160 m hohen Felsenküste lange Flüge entlang der Küstenlinie im ständigen Auf und ab zwischen und über Felsen und Meer mit guten Start -und Landeverhältnissen ermöglichen. Oft tummeln sich hier mehr als ein Dutzend Akteure und bevölkern wie grosse, bunte Vögel den Himmel. Ein Schauspiel , dass trotz der schnellen und vielfältigen Richtungswechsel Betrachtern ein Gefühl von Ruhe und Entspannung vernittelt, zumal ausser dem Wind kein Geräusch die faszinierende Flugshow stört. Nur, wenn man als Fotograf selbst auch zum Akteur wird und sich ständig auf den besten Auslösemoment und idealen Bildausschnitt konzentrieren muss, stellt sich diese Ruhe erst beim viel späteren Betrachten der Ergebnisse ein: anders, aber auch sehr befriedigend.
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Praia da Rocha - ein Stadtstrand der Gegensätze: während der Hauptsaison zwischen Juli und September Hotspot des Massentourismus, im Winter zwischen November und Februar ein Ruhepol für Strandwanderer. Im Herbst internationaler Treffpunkt der Beachvolleyball- und Frisbyszene, die sich hier aus der ganzen Welt im Verlauf vieler Turniere aller Altersklassen trifft. Nur die Surfer beleben die Szene ganzjährig. Während der Coronajahre und ihrer langen Lockdownphasen als Zone der Freiheit die Lebensader aller Sportler und Sportimitatoren, die sich hier frei bewegen durften. Diese vielen Gesichter machen den Reiz diese riesigen Strandes aus, der immer wieder neue Facetten sichtbar macht, ohne dass die Horrorkulisse der benachbarten Hochauswelten zwischen neu und alt, verschlissen und hochglanzpoliert wirklich stört. Sie wird als unbedeutend wahrgenommen und entschwindet so quasi aus dem Blickfeld .
Die nachfolgenden Bilder geben nur einen kleinen Überblick von der Vielfalt dieser faszinierenden Strand -und Meereswelt, die sich im Wechsel von Wetter, Gezeiten, Licht, Jahreszeiten und dem bunten Treiben ihrer Akteure ständig neu erfindet. Einbezogen wurden dabei auch die durch Felsdurchgänge erreichbaren, benachbarten Strandabschnitte bis zum ca. 3 km entfernten Praia do Vau, die von einer faszinierenden Felsenwelt durchzogen werden.
Praia da Rocha in Zeiten der Pandemie - 2020-2022
Die nachfolgende Bilderserie thematisiert das ganz besondere, geradezu entrückt und realitätsfern wirkende Erscheinungsbild dieses Strandes in den Zeiten covidbedingter Bewegungsbeschränkungen und faktischer Hausarreste. Freizeitaktivitäten waren damals auf sportliche Bewegung unter Beachtung gegenseitiger Abstandsgebote und das Ausführen von Hunden sowie lebens- und systemrelevantes Einkaufen mit Maskenpflicht beschränkt. Die Praia da Rocha wurde zur weitläufigen Einzeljogger - und Hundebegleiterszene degradiert. Jegliche Form von Verweilen, Sitzen auf Bänken oder Baden war verboten. Bewegungszonen waren teilweise mit Sperrbändern ausgewiesen. Verbleibende Sujets wie Hütten, Abfallbehälter, Stangen, gestapelte Strandliegen etc. wirkten im riesigen Umfeld der weitgehend menschenleeren Strandlandschaft wie Ufos aus dem All, die hier gestrandet waren.
Die Molen der Praia da Rocha
Die Praia da Rocha wird zur Arademündung durch eine 850 m lange, in den Atlantik hineinragende Mole, die an einem rot- weissen Leuchtturm endet , abgegrenzt. Von der gegenüberliegenden Uferseite der Arademündung erstreckt sich in Höhe des Restaurants El Mole bei Ferragudo ebenfalls eine lange Mole mit einem grün-weissen Leuchtturm an ihrem Ende weit ins offene Meer hinein. Beide Molen bilden zusammen eine wichtige Schutzbarriere für die Arademündung im Übergang zum ungezähmten, offenen Atlantik. Über diesen reinen Funktionzweck hinaus sind sie aber auch Spazierwege mitten in das Meer und seine endlose Weite, die der Phantasie freien Raum lässt. Je nach Wetter, Windstärke und Wellenhöhe ergeben sich ganz unterschiedliche Erlebniswelten, in denen man als Akteur in der Mitte des Geschehens steht. Es sind teils magische Szenarien, die sich hier eröffnen: Lands end Atmosphäre vor der Unendlichkeit des Atlantik jn all ihren Spielarten.
Einige Ausschnitte:
MINA DE SAO DOMINGOS - ALENTEJO/PORTUGAL
Die Mina de Sao Domingos nahe Mertola im südöstlichen Alentejo/ Portugal unweit der spanischen Grenze und des Grenzflusses Guadiana ist ein seit ca 1860 von der britischen Sabina Mining Company zum Kupfer- und Pyritabbau betriebenes, 1966 von der Betreibergesellschaft aufgegebenes und damals ohne vorherige Massnahmen gegen Wasserverschmutzung und absehbare Umweltschäden fluchtartig verlassenes, riesiges Bergwerksgelände, das in den folgenden Jahrzehnten zunehmend verfiel. Insbesondere die erhebliche Grundwasserverschmutzung der dortigen Region hat beunruhigende Formen angenommen. Die aufgehäuften Halden des Bergwerkes werden auf mehrere 100000 Tonnen Material mit hohem Sulfidanteil geschätzt. Ausblühungen von sekundären Sulfaten sind an unterschiedlichsten Stellen in schillernden Farben erkennbar und belasten das Grundwasser. Tagebaurestlöcher sind mit Wasser gefüllt, das hohe Eisen-und Kupferanteile enthält und einen stark sauren PH-Wert von 2,4 aufweist. Das grösste dieser Wasserlöcher ist ein stattlicher 100 m tiefer Giftsee - ph-Wert 2,5 - des Grauens , der sich auf einem Holzplankenweg zum Teil umgehen lässt. Die Farben sind apokalyptisch zwischen blau/schwarzem Wasser , ockerfarbenen Felswänden , die direkt am Wasserrand steil aufragen und einem dünnen Saum von gelb/goldenem und rotem Farbspiel im Übergang zwischen Fels und Wasser. Unweit vom See befindet sich das sog.Dock, die grösste Ruine des Areals, wo das Erz aus der Grube zum Weitertransport in die Waggons umgeladen und auf der firmeneigenen Bahnanlage zum 17 km entfernten Verladehafen am Guadianafluss gebracht wurde. Von der Bahnstrecke sind heute nur noch Bruchstücke sichtbar. Die besser erhaltenen, überall verstreut sichtbaren Ruinen des alten Bergarbeiterdorfes vermitteln auch heute noch einen guten Eindruck von der ehemaligen Grösse dieser bedeutenden Bergbausiedlung.
Bis in die 1960er Jahre lebten dort etwa 10000 Menschen, von denen ein gutes Drittel im Bergwerk arbeiteten- Heute leben in der Region Sao Domingos nur noch ca. 500 Menschen, viele von Ihnen über 65 Jahre alt. Sie hausen neben einem riesigen Areal vergifteter Tümpel, Ruinen und bis in die jüngste Vergangenheit sich selbst überlassener Halden mit unzähligen Gebäuderesten , mehr oder weniger zerfallenen Bergwerkstürmen und Anlagen , die als bizarre Ruinen in fast wüstenähnlicher Landschaft ohne viel Bewuchs Zeugnis vom ständig fortschreitenden Verfall ablegen.
Das ganze ist eine monströse Mischung aus lost place und riesigem Freilichtmuseum, die einzigartige Ausblicke und Eindrücke von einer ehemals grossen Industrieanlage des ausgehenden 19. bis mittleren 20.Jahrhunderts liefert. Man sollte für die Besichtigung des sehr weitläufigen Areals ca.3 Stunden einplanen.
Noch ist ein freier und ungehinderter Besuch des Gebietes möglich - Stand 2023. Dank der Freigabe von EU - Mitteln für die dringend notwendige Umweltsanierung, mit der in jüngster Vergangenheit begonnen wurde, dürfte aber in naher Zukunft mit Veränderungen zu rechnen sein, die einen so freien Zugang und das Erscheinungsbild wie bisher kaum noch gewährleisten , sodass ein baldiger Besuch zu empfehlen ist ( gute Übernachtungsmöglichkeiten im nicht nahen und interessanten Mertola ).
Die folgend Bilderschlaufe versteht sich - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - als subjektiver, bildnerischer Beitrag , der neben der Dokumentation auch die emotionalen Aspekte des Eintauchens in eine fast apokalyptische Welt sicht-und fühlbar machen soll.