MINA DE SAO DOMINGOS - ALENTEJO/PORTUGAL
Die Mina de Sao Domingos nahe Mertola im südöstlichen Alentejo/ Portugal unweit der spanischen Grenze und des Grenzflusses Guadiana ist ein seit ca 1860 von der britischen Sabina Mining Company zum Kupfer- und Pyritabbau betriebenes, 1966 von der Betreibergesellschaft aufgegebenes und damals ohne vorherige Massnahmen gegen Wasserverschmutzung und absehbare Umweltschäden fluchtartig verlassenes, riesiges Bergwerksgelände, das in den folgenden Jahrzehnten zunehmend verfiel. Insbesondere die erhebliche Grundwasserverschmutzung der dortigen Region hat beunruhigende Formen angenommen. Die aufgehäuften Halden des Bergwerkes werden auf mehrere 100000 Tonnen Material mit hohem Sulfidanteil geschätzt. Ausblühungen von sekundären Sulfaten sind an unterschiedlichsten Stellen in schillernden Farben erkennbar und belasten das Grundwasser. Tagebaurestlöcher sind mit Wasser gefüllt, das hohe Eisen-und Kupferanteile enthält und einen stark sauren PH-Wert von 2,4 aufweist. Das grösste dieser Wasserlöcher ist ein stattlicher 100 m tiefer Giftsee - ph-Wert 2,5 - des Grauens , der sich auf einem Holzplankenweg zum Teil umgehen lässt. Die Farben sind apokalyptisch zwischen blau/schwarzem Wasser , ockerfarbenen Felswänden , die direkt am Wasserrand steil aufragen und einem dünnen Saum von gelb/goldenem und rotem Farbspiel im Übergang zwischen Fels und Wasser. Unweit vom See befindet sich das sog.Dock, die grösste Ruine des Areals, wo das Erz aus der Grube zum Weitertransport in die Waggons umgeladen und auf der firmeneigenen Bahnanlage zum 17 km entfernten Verladehafen am Guadianafluss gebracht wurde. Von der Bahnstrecke sind heute nur noch Bruchstücke sichtbar. Die besser erhaltenen, überall verstreut sichtbaren Ruinen des alten Bergarbeiterdorfes vermitteln auch heute noch einen guten Eindruck von der ehemaligen Grösse dieser bedeutenden Bergbausiedlung.
Bis in die 1960er Jahre lebten dort etwa 10000 Menschen, von denen ein gutes Drittel im Bergwerk arbeiteten- Heute leben in der Region Sao Domingos nur noch ca. 500 Menschen, viele von Ihnen über 65 Jahre alt. Sie hausen neben einem riesigen Areal vergifteter Tümpel, Ruinen und bis in die jüngste Vergangenheit sich selbst überlassener Halden mit unzähligen Gebäuderesten , mehr oder weniger zerfallenen Bergwerkstürmen und Anlagen , die als bizarre Ruinen in fast wüstenähnlicher Landschaft ohne viel Bewuchs Zeugnis vom ständig fortschreitenden Verfall ablegen.
Das ganze ist eine monströse Mischung aus lost place und riesigem Freilichtmuseum, die einzigartige Ausblicke und Eindrücke von einer ehemals grossen Industrieanlage des ausgehenden 19. bis mittleren 20.Jahrhunderts liefert. Man sollte für die Besichtigung des sehr weitläufigen Areals ca.3 Stunden einplanen.
Noch ist ein freier und ungehinderter Besuch des Gebietes möglich - Stand 2023. Dank der Freigabe von EU - Mitteln für die dringend notwendige Umweltsanierung, mit der in jüngster Vergangenheit begonnen wurde, dürfte aber in naher Zukunft mit Veränderungen zu rechnen sein, die einen so freien Zugang und das Erscheinungsbild wie bisher kaum noch gewährleisten , sodass ein baldiger Besuch zu empfehlen ist ( gute Übernachtungsmöglichkeiten im nicht nahen und interessanten Mertola ).
Die folgend Bilderschlaufe versteht sich - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - als subjektiver, bildnerischer Beitrag , der neben der Dokumentation auch die emotionalen Aspekte des Eintauchens in eine fast apokalyptische Welt sicht-und fühlbar machen soll.